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Erstmals Naturerbe-Schwerpunkt im Westen Deutschlands

07.12.2016 - Einen dauerhaften Lebensraum für wilde Pflanzen und seltene Tiere sichern: Aus 23 ehemaligen Militärflächen werden jetzt Naturschutzgebiete. Etwa die Hälfte davon liegt in Nordrhein-Westfalen und wurde durch den Abzug der britischen Streitkräfte frei. Die Übertragung von Militärflächen in das Nationale Naturerbe sei ein Geschenk, „das uns die europäische Friedensordnung nach dem Ende des Kalten Krieges gemacht hat“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bei einer Exkursion auf den ehemaligen Truppenübungsplatz Borkenberge. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) betreut jetzt bis zum 1. Oktober 2017 die Übertragung und wird die Flächen mit ihrer Sparte Bundesforst auch darüber hinaus pflegen.

Ein am 28. Oktober 2016 im Beisein von Bundesministerin Hendricks unterzeichneter Vertrag regelt die unentgeltliche Übertragung der so genannten dritten Tranche - 23 Flächen mit einer Größe von rund 9.000 Hektar  - vom Bund an die gemeinnützige DBU Naturerbe GmbH, eine Tochterfirma der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Diese ist zukünftig als Treuhänderin für die Flächen verantwortlich und sichert den dauerhaften Naturschutz. Die ersten beiden Tranchen umfassten noch überwiegend Flächen in Ostdeutschland. Nun gibt es mit der dritten Tranche erstmals einen Naturerbe-Schwerpunkt im dicht besiedelten Westen der Republik.

Auf dem jetzt übertragenen Truppenübungsplatz Borkenberge sind zum Beispiel über 2700 verschiedene Tier- und Pflanzenarten wissenschaftlich dokumentiert, darunter über 400 bedrohte Rote-Liste-Arten. Trollblume, Wiesenpieper, Braunkehlchen, Schwarzstorch und Wildkatze können sich unter dem Schutz der Naturerbe-Flächen zurückziehen und erhalten dauerhafte Lebensräume.

Initiative Nationales Naturerbe

Innerhalb der Initiative „Nationales Naturerbe“ wurden bereits rund 100.000 Hektar Naturschutzflächen unentgeltlich für den Naturschutz angeboten – und somit von einer Privatisierung ausgenommen. Der Hintergrund: Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vom 11.November 2005 vereinbart, dass mehrere zehntausend Hektar aus dem Besitz des Bundes unentgeltlich im Sinne des Naturschutzes an die Bundesländer oder an Stiftungen übertragen werden, vorzugsweise die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat mit rund 125.500 Hektar bisher einen Großteil der Flächen bereitgestellt. „Mit der Bundesanstalt und ihrem Geschäftsbereich Bundesforst hat die DBU einen langjährigen Wegbegleiter und verlässlichen Partner bei der Umsetzung vor Ort“, hob Jens Spahn, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium (BMF) die Rolle der BImA hervor.

Die Auen, Seen und Moore des Nationalen Naturerbes sollen ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden und sich zu wertvollen Lebensräumen wild lebender Tiere und Pflanzen entwickeln. Eines der bekanntesten Beispiele ist das „Grüne Band“ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. An deren Verlauf haben sich vielfältige Biotope gebildet. Alle Flächen des Nationalen Naturerbes sind auf der Webseite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit verzeichnet.

Pressetermin auf der Naturerbefläche Borkenberge: Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (3.v.r.),  Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jens Spahn (2.v.r.), Vorsitzender des DBU Naturerbe-Beirates Cajus Caesar (m.), DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann (2.v.l.), Umweltminister NRW Johannes Remmel (3.v.l.).(Foto: Zieseniß/BImA).

Weitere Liegenschaften aus dem Britenabzug werden Naturerbe

Teil der 3. Tranche des Nationalen Naturerbes sind neben dem ehemaligen Truppenübungsplatz Haltern (mit den Platzteilen Borkenberge und Lavesum) weitere ehemalige Liegenschaften der britischen Streitkräfte: Die Wersener Heide, die Javelin Barracks in Niederkrüchten und  - nach Aufgabe der aktuellen und bis auf Weiteres noch anhaltenden militärischen Nutzung - Flächen in Paderborn-Lieth. In der flachen Heidelandschaft der Wersener Heide brüten bspw. seltene Vogelarten wie die Feldlerche und der Ziegenmelker. Auch der Große Brachvogel und der Steinkauz haben hier neben diversen botanischen Raritäten ihren Lebensraum. Für die DBU ist das ein Meilenstein des Naturschutzes: „Auf ehemals militärisch genutzten Flächen finden sie urwüchsig wirkende Landschaften, die in Deutschland ihresgleichen suchen: Vom Menschen wenig beeinflusste alte Kulturlandschaften und Wälder, die oft bis zum Horizont reichen“, sagt Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann. Durch den geringen Nährstoffeintrag und aufgrund der speziellen Militärnutzungen haben sich dort kleinräumige, vielfältige Lebensräume etablieren können, die eine besondere Bedeutung für den Naturschutz hätten, so Bottermann weiter.