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Ein wehmütiger Abschied: Die britischen Streitkräfte verlassen Celle

Die Entscheidung kam überraschend. Die britischen Streitkräfte verließen Celle früher als ursprünglich geplant. Nach 67 Jahren wurde ab dem Jahr 2012 eine der letzten deutschen Standorte der einstigen Besatzungsmacht und des heutigen Bündnispartners aufgelöst. Für die Verabschiedung ließen sich die in Celle stationierten britischen Soldaten des Zweiten Bataillons des königlichen Füsilier-Regiments das traditionelle militärische Zeremoniell nicht nehmen.

Die Urkunde „The Freedom of the City“ bestätigt, dass die Soldaten des „Royal Regiment of Fusiliers“ bei zeremoniellen Anlässen die Freiheit hatten, in Formation durch Celle zu marschieren (Bild: Stadt Celle)

Ein Teil der Celler Gesellschaft

Die britischen Soldaten und ihre Familien hatten sich in Celle sehr gut eingelebt. So gab es in den „Trenchard Barracks“ zwar den eigenen britischen Wirkungskreis, aber dennoch gingen deutsche und britische Kinder gemeinsam in den Kindergarten. Auch die Celler Sportvereine bekamen häufig Zuwachs durch die Soldaten. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen deutsch-britischen Freundschaften fiel der Abschied schwer.

Am Tag der Verabschiedung marschierten dann 50 Soldaten in schmucker Uniform auf. Begleitet wurden sie von der Kapelle der britischen Fallschirmjäger, die eigens zu diesem Zweck aus London eingeflogen wurde. Man wolle sich nicht klammheimlich durch die Hintertür verdrücken, erklärte ein britischer Offizier, sondern sich von engen Partnern mit einem besonderen Dank für jahrzehntelange Gastfreundschaft verabschieden.

Aus Besatzern wurden Freunde

Die britischen Streitkräfte kamen am 12. April 1945 nach Celle. Damals hätte wohl niemand vermutet, dass sie ganze 67 Jahre bleiben würden. Die britischen Streitkräfte hatten zunächst einen schwierigen Start. Von den Deutschen wurden sie lange Zeit als Besatzer wahrgenommen, ihre Anwesenheit zunächst eher negativ empfunden. Ab Jahr 1948 verbesserte sich das Verhältnis der Celler zu den britischen Streitkräften allmählich. Damals blockierten die sowjetischen Streitkräfte die Zufahrtswege nach West-Berlin und die Alliierten sicherten durch den Aufbau der Berliner Luftbrücke die Versorgung der Stadt.

Auf dem Flugplatz Wietzenbruch und rund 40 Kilometer nördlich, in Faßberg, wurden rund um die Uhr amerikanische und britische Flugzeuge beladen, die Lebensmittel und Kohle nach Berlin transportierten. Celle bot eine strategisch wichtige Ausgangslage, da man hier eine kurze Distanz nach Berlin hatte und die Stadt direkt am mittleren Luftkorridor gelegen ist. Mit der hohen Frequenz an Versorgungsflügen entstanden auch zivile Arbeitsplätze, die zwar nicht gut bezahlt waren, aber vielen Familien Abhilfe gegen den allgegenwärtigen Hunger der Nachkriegsjahre schaffte.

Auf dem Heeresflugplatz Celle aufgereihte Flugzeuge vom Typ „Skymaster“ kurz vor dem Abflug über die Luftbrücke nach Berlin 1949 (Foto: RAF Celle, CC BY-SA 2.0 DE)

Auf nach Zypern

Die 800 britischen Soldaten, die zuletzt auf der „Trenchard Barracks“ in Celle stationiert waren, wurden nach Zypern verlegt. Die Soldaten haben eine gewisse Routine mit wechselnden Standorten, denn sie werden ohnehin ungefähr alle zwei Jahre in einen anderen Teil der Welt gesandt. Aber es waren nicht nur die Soldaten selbst, die sich vom gewohnten Umfeld losreißen mussten, sondern auch deren Familien, die größtenteils einen festen Platz in der Celler Gesellschaft gefunden hatten.

Die Stimmung sei gedrückt, erzählte Audra Burton, damals Lehrerin an der örtlichen britischen Schule. Viele Mädchen und Jungen seien in Celler Sport- und Schwimmvereinen aktiv gewesen und hätten sich dort mit deutschen Gleichaltrigen angefreundet. Die „Mountbatten Primary School“ wurde bis zum Zeitpunkt des Abzugs von den Kindern der Soldaten besucht. Aber auch das ist längst Geschichte.

Broschüre Transformation der britischen Streitkräfte

In der bildreichen Publikation werden die Hintergründe des Abzugs der britischen Armee aus Deutschland erklärt. (Englisch)